Wohnfläche berechnen: Nach WoFlV korrekt ermitteln – mit Rechner und Anleitung
Wohnflächen-Rechner nach WoFlV
Tragen Sie jeden Raum einzeln ein. Der Rechner wendet automatisch den richtigen Anrechnungsfaktor an.
| Raum | Fläche (m²) | Kategorie |
|---|
| Raum | Fläche | Faktor | Angerechnet |
|---|
Berechnet nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV): Wohnräume zu 100 %, Dachschrägen und Flächen unter Treppen (1–2 m Höhe) zu 50 %, Balkon, Terrasse und Loggia in der Regel zu 25 %, Keller, Abstellraum und Garage zu 0 %. Flächen mit weniger als 1 m lichter Höhe werden nicht angerechnet.
Im Mietvertrag stehen 85 Quadratmeter. Die Nachmessung ergibt nur 66. Bei 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zahlen Sie 190 Euro zu viel – jeden Monat. Solche Abweichungen sind keine Seltenheit.
Die Wohnflächenverordnung (WoFlV) schreibt feste Anrechnungsfaktoren vor: Wohnräume zu 100 Prozent, Dachschrägen zu 50, Balkone zu 25, Keller zu 0. Wer einfach alles zusammenzählt, rechnet falsch. Diese Anleitung zeigt die korrekte Methode. Unser Rechner oben wendet die Faktoren automatisch an.

Warum die korrekte Wohnfläche so wichtig ist
Die Wohnfläche steuert die Kaltmiete. Vermieter kalkulieren fast immer mit einem Quadratmeterpreis. Wenige Meter zu viel bedeuten über Jahre eine zu hohe Miete.
Auch beim Kauf zählt die Zahl. Bei 5.000 Euro pro Quadratmeter bedeuten zehn Meter Abweichung 50.000 Euro Unterschied. Prüfen Sie die Angabe im Exposé daher immer nach.
Nebenkosten hängen ebenfalls an der Fläche. Heiz- und Betriebskosten werden oft nach Quadratmetern verteilt. Stellt sich später heraus, dass die echte Fläche kleiner ist, können Sie für die vergangenen drei Jahre eine Neuberechnung verlangen.
Wohnfläche berechnen nach WoFlV: Die Anrechnungsfaktoren
Die Wohnflächenverordnung (WoFlV) vom 25. November 2003 (BGBl. I S. 2346), in Kraft seit 1.1.2004. Im öffentlich geförderten Wohnungsbau ist sie Pflicht. Im freien Markt können Mieter und Vermieter die Berechnungsgrundlage vereinbaren. Halten Sie die gewählte Methode schriftlich fest.
Das Prinzip: Sie messen jeden Raum einzeln und multiplizieren die Fläche mit einem Faktor. Die Summe ist die Wohnfläche. Die vier Faktoren im Überblick:
| Faktor | Raumtypen | Beispiel |
|---|---|---|
| 100 % | Wohn- und Schlafräume, Küche, Bad, Flur mit mindestens 2 m lichter Höhe | 20 m² Wohnzimmer = 20 m² |
| 50 % | Raumteile mit 1 m bis unter 2 m Höhe (Dachschrägen, unter Treppen); unbeheizbare Wintergärten | 12 m² Schräge = 6 m² |
| 25 % | Balkone, Loggien, Dachgärten, Terrassen – Regel 25 %, höchstens 50 % | 8 m² Balkon = 2 m² |
| 0 % | Flächen unter 1 m Höhe; Keller, Abstellräume außerhalb der Wohnung, Garagen | 10 m² Keller = 0 m² |
Merken Sie sich diese vier Zahlen: 100, 50, 25 und 0. Die Details zu den kniffligen Fällen folgen in den nächsten Abschnitten.
Richtig messen: Die lichten Maße in 5 Schritten
Die WoFlV verlangt lichte Maße: Sie messen von Wand zu Wand, also zwischen den Bauteilen. Maßgeblich ist die Vorderkante der Wandbekleidung. So gehen Sie vor.
Schritt 1: Werkzeug bereitlegen
Sie brauchen ein Maßband oder einen Laser-Entfernungsmesser. Halten Sie Stift, Papier und eine grobe Skizze der Wohnung bereit. Für lange Wände hilft eine zweite Person.
Schritt 2: Jeden Raum einzeln vermessen
Messen Sie Länge und Breite jedes Raums in Metern, auf den Zentimeter genau. Vergessen Sie Flur, Bad und Abstellkammer in der Wohnung nicht. Notieren Sie die Werte direkt in der Skizze.
Schritt 3: Raumhöhe prüfen
Messen Sie in jedem Raum die lichte Höhe vom Boden bis zur Decke. Sie entscheidet über den Faktor 100, 50 oder 0 Prozent. Das ist besonders bei Dachschrägen wichtig.
Schritt 4: Außenflächen separat erfassen
Messen Sie Balkon, Terrasse und Loggia separat. Notieren Sie, ob sie überdacht sind und wohin sie zeigen. Das entscheidet über 25 oder ausnahmsweise 50 Prozent Anrechnung.
Schritt 5: Faktoren anwenden und summieren
Multiplizieren Sie Länge mal Breite pro Raum und wenden Sie den passenden Faktor an. Unser Rechner oben erledigt diesen Schritt automatisch. Die gemessenen Raumdaten helfen später auch bei der Renovierung, zum Beispiel beim Laminat berechnen für neuen Bodenbelag.

Dachschrägen richtig anrechnen: Die 1-Meter- und 2-Meter-Regel
Dachgeschosswohnungen sind der klassische Streitfall. Die Regel hängt allein von der lichten Höhe ab. Ab 2 Metern zählen Flächen zu 100 Prozent. Zwischen 1 Meter und unter 2 Metern zu 50 Prozent. Unter 1 Meter zu 0 Prozent.
Ein Beispiel: Ein 20-Quadratmeter-Zimmer hat 12 Quadratmeter über 2 Metern Höhe, 6 Quadratmeter zwischen 1 und 2 Metern und 2 Quadratmeter darunter. Die Rechnung: 12 plus 3 plus 0 ergibt 15 Quadratmeter Wohnfläche. Obwohl der Raum 20 Quadratmeter misst, zählen nur 15.
Das Gleiche gilt für Flächen unter Treppen. Messen Sie die Höhe an mehreren Stellen. Eine Schräge ändert die Höhe auf wenigen Zentimetern erheblich.

Balkon, Terrasse und Loggia: Die 25-Prozent-Regel
Der Balkon ist der zweitgrößte Streitpunkt. Viele zählen ihn voll mit. Richtig sind in der Regel 25 Prozent, höchstens 50 Prozent bei besonderen Umständen. Dazu zählen hochwertige Gestaltung, ruhige Südlage oder Blick ins Grüne. Ein normaler Balkon zur Straße bleibt bei 25 Prozent.
Rechnen Sie selbst: Ein 8 Quadratmeter großer Balkon bringt nur 2 Quadratmeter Wohnfläche. Wer ihn mit 8 ansetzt, bläht die Fläche um 6 Quadratmeter auf. Bei 10 Euro Miete pro Quadratmeter sind das 60 Euro im Monat zu viel.
Achtung bei alten Verträgen: Alte Berechnungen bleiben gültig, solange sich baulich nichts ändert. Bei Neuverträgen zählt die WoFlV mit der 25-Prozent-Regel.

Was nicht zur Wohnfläche zählt: Keller, Garage und Abstellräume
Manche Flächen gehören grundsätzlich nicht dazu. § 2 der WoFlV nennt Kellerräume, Abstellräume außerhalb der Wohnung, Waschküchen, Boden- und Trockenräume, Heizungsräume und Garagen. Sie alle zählen zu 0 Prozent.
Der Keller ist der typische Fehler. Auch ein trockener, ordentlich ausgebauter Kellerraum bringt 0 Quadratmeter Wohnfläche. Erst ein genehmigter Ausbau mit ausreichender Fensterfläche und Raumhöhe nach der Landesbauordnung ändert das.
Eine Abstellkammer innerhalb der Wohnung zählt dagegen zu 100 Prozent, wenn die Raumhöhe stimmt. Der Unterschied liegt in der Lage, nicht in der Nutzung. Garagen und Stellplätze bleiben immer außen vor.
Rechenbeispiel: Eine Musterwohnung Schritt für Schritt
Nehmen wir eine 3-Zimmer-Wohnung mit Dachschräge, Balkon und Keller. So sieht die korrekte Berechnung aus:
| Raum | Gemessen | Faktor | Angerechnet |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 25 m² | 100 % | 25 m² |
| Küche | 12 m² | 100 % | 12 m² |
| Schlafzimmer (10 m² über 2 m, 6 m² Schräge) | 16 m² | 100 % / 50 % | 13 m² |
| Bad | 8 m² | 100 % | 8 m² |
| Flur | 6 m² | 100 % | 6 m² |
| Balkon | 8 m² | 25 % | 2 m² |
| Keller | 10 m² | 0 % | 0 m² |
| Gesamt | 85 m² | 66 m² |
Gemessen: 85 Quadratmeter. Anrechenbar: nur 66. Die 19 Quadratmeter Differenz kommen aus drei Quellen: 3 aus der Dachschräge, 6 vom Balkon, 10 vom Keller. Wer Balkon und Keller voll mitzählt, landet bei 82 Quadratmetern – 16 zu viel. Das wären 160 Euro monatlich zu viel Miete bei 10 Euro pro Quadratmeter.

Die 6 häufigsten Fehler beim Wohnfläche-Berechnen
1. Balkon zu 100 Prozent anrechnen. Richtig sind in der Regel 25 Prozent, höchstens 50 Prozent bei besonderen Umständen.
2. Keller und Abstellraum dazuzählen. Zubehörräume nach § 2 WoFlV zählen zu 0 Prozent – Keller, Waschküche, Heizungsraum und Garage.
3. Dachschräge komplett zählen oder streichen. Beides ist falsch. Zwischen 1 und 2 Metern gelten 50 Prozent, ab 2 Metern 100 Prozent, darunter 0 Prozent.
4. Flächen unter 1 Meter mitzählen. Der niedrige Streifen an der Schräge zählt nicht zur Wohnfläche.
5. Wandstärken mitmessen. Die WoFlV verlangt lichte Maße zwischen den Bauteilen. Außen- oder Rohbaumaße sind zu groß.
6. Beheizten und unbeheizten Wintergarten verwechseln. Beheizbar zählt zu 100 Prozent, unbeheizbar nur zu 50 Prozent. Die Beheizbarkeit entscheidet.
WoFlV oder DIN 277:2021-08: Welche Methode gilt?
Die wichtigste Alternative ist die DIN 277:2021-08. Sie rechnet Balkone und Terrassen separat aus und kann sie bis zu 100 Prozent anrechnen. Dachschrägen unter 2 Metern werden vollständig angerechnet, aber gesondert ausgewiesen. Dieselbe Wohnung fällt nach DIN 277:2021-08 daher meist größer aus.
| Merkmal | WoFlV | DIN 277:2021-08 |
|---|---|---|
| Balkon / Terrasse | Regel 25 %, max. 50 % | Bis 100 % möglich |
| Dachschräge 1–2 m | 50 % | 100 %, separat ausgewiesen |
| Flächen unter 1 m | 0 % | 100 %, separat ausgewiesen |
| Verbindlichkeit | Pflicht im geförderten Wohnungsbau | Vereinbarungssache im freien Markt |
Im öffentlich geförderten Wohnungsbau ist die WoFlV Pflicht. Im freien Markt können beide Seiten eine Methode vereinbaren. Fehlt eine Vereinbarung, ist die WoFlV der übliche Maßstab. Halten Sie die Grundlage im Mietvertrag schriftlich fest.
Wenn die Fläche nicht stimmt: Mietminderung und Nebenkosten
Weicht die tatsächliche Fläche mehr als 10 Prozent von der vereinbarten ab, liegt ein Mangel vor. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Urt. v. 24.03.2004, VIII ZR 133/03; bestätigt 10.03.2010, VIII ZR 144/09). Es gilt auch bei einer „ca.“-Angabe im Vertrag.
Die Minderung entspricht der prozentualen Abweichung. Ist die Wohnung 15 Prozent kleiner als vereinbart, mindern Sie die Miete um 15 Prozent. Künftige Mieterhöhungen müssen sich an der tatsächlichen Fläche orientieren.
Bei den Nebenkosten lohnt der Blick zurück. Ändert die korrekte Fläche den Verteilungsschlüssel, ist für die vergangenen drei Jahre eine Neuberechnung möglich. Das betrifft vor allem Heiz- und Betriebskosten nach Quadratmetern.
Wichtig: Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung. Im Zweifel klärt ein Anwalt oder der örtliche Mieterverein, wie Ihre Flächenabweichung rechtlich verbindlich einzuordnen ist.
Häufige Fragen zur Wohnflächenberechnung
Wie berechnet man die Wohnfläche nach WoFlV?
Messen Sie jeden Raum in lichten Maßen und wenden Sie die Faktoren an: Wohnräume ab 2 m Höhe zu 100 %, Dachschrägen von 1 bis 2 m zu 50 %, Balkon, Terrasse und Loggia in der Regel zu 25 %, Keller, Garage und Flächen unter 1 m zu 0 %. Die Summe ist die Wohnfläche.
Wie viel Prozent vom Balkon zählen zur Wohnfläche?
In der Regel 25 Prozent, höchstens 50 Prozent bei besonderen Umständen wie hochwertiger Gestaltung oder ruhiger Südlage. Ein 8 Quadratmeter großer Balkon bringt also 2 Quadratmeter Wohnfläche.
Wie wird eine Dachschräge angerechnet?
Es zählt die lichte Höhe: ab 2 Metern zu 100 Prozent, von 1 Meter bis unter 2 Metern zu 50 Prozent, unter 1 Meter zu 0 Prozent. Messen Sie an mehreren Stellen, denn die Höhe ändert sich entlang der Schräge schnell.
Zählt der Keller zur Wohnfläche?
Nein. Kellerräume, Abstellräume außerhalb der Wohnung, Waschküchen, Heizungsräume und Garagen zählen nach § 2 WoFlV zu 0 Prozent. Erst ein genehmigter Ausbau mit ausreichender Fensterfläche und Raumhöhe kann das ändern.
Was sind lichte Maße?
Die Abstände zwischen den Bauteilen, also von Wand zu Wand. Maßgeblich ist die Vorderkante der Wandbekleidung wie Putz oder Tapete. Wandstärken und Rohbaumaße bleiben außen vor.
Zählt ein Wintergarten zur Wohnfläche?
Ein beheizbarer Wintergarten zählt zu 100 Prozent, ein unbeheizbarer nur zu 50 Prozent. Entscheidend ist die Beheizbarkeit, nicht die Nutzung.
Was ist der Unterschied zwischen WoFlV und DIN 277:2021-08?
Die WoFlV rechnet Balkone in der Regel zu 25 Prozent und Dachschrägen von 1 bis 2 Metern zu 50 Prozent an. Die DIN 277:2021-08 kann Balkone bis zu 100 Prozent anrechnen und weist Dachschrägen unter 2 Metern vollständig, aber separat aus. Dieselbe Wohnung fällt nach DIN 277:2021-08 meist größer aus.
Kann ich die Miete mindern, wenn die Wohnfläche kleiner ist?
Ja, bei mehr als 10 Prozent Abweichung. Dann liegt nach der BGH-Rechtsprechung ein Mangel vor – auch bei „ca.“-Angabe. Die Minderung entspricht der Abweichung: 15 Prozent weniger Fläche bedeuten 15 Prozent weniger Miete. Im Zweifel klärt ein Anwalt oder Mieterverein Ihren Fall rechtlich verbindlich.
Welche Räume zählen zu 100 Prozent zur Wohnfläche?
Alle Wohnräume mit mindestens 2 Metern lichter Höhe: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, WC, Flur und Arbeitszimmer. Auch eine Abstellkammer innerhalb der Wohnung zählt dazu. Voraussetzung: Die Räume gehören ausschließlich zu Ihrer Wohnung.
Was passiert bei mehr als 10 Prozent Abweichung im Mietvertrag?
Sie können die Miete um den Prozentsatz der Abweichung mindern und zu viel gezahlte Miete zurückfordern. Künftige Mieterhöhungen richten sich nach der tatsächlichen Fläche. Bei den Nebenkosten ist für drei Jahre rückwirkend eine Neuberechnung möglich.
Fazit
Die Wohnfläche zu berechnen ist kein Hexenwerk. Messen Sie in lichten Maßen, wenden Sie die vier Faktoren 100, 50, 25 und 0 Prozent an und summieren Sie. Unser Rechner nimmt Ihnen den letzten Schritt ab. Die häufigsten Fehler – Balkon voll, Keller dazu, Schräge falsch – vermeiden Sie mit dieser Anleitung sicher.
Prüfen Sie die Zahl in Ihrem Mietvertrag oder Kaufexposé. Mehr als 10 Prozent Abweichung sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein Mangel mit Folgen für Miete und Nebenkosten. Steht nach der Messung eine Renovierung an, helfen unsere Rechner für Farbverbrauch berechnen, Tapetenbedarf berechnen und Fliesenbedarf berechnen weiter.
Muhammad Ahmad ist der Autor von Lineal Online und beschäftigt sich seit Jahren mit Mess- und Umrechnungsthemen – von DIN-Formaten über Bildschirmgrößen bis zu Baustoff-Berechnungen. Alle Rechner und Anleitungen auf dieser Seite werden von ihm recherchiert, gebaut und geprüft.
